Otto Horn

Otto Horn , Portrait um 1940

Otto Horn wurde als einziges Kind von Emma und Ernst Otto Horn am 4.12.1880 in Meißen geboren. Sein Vater (1845 – 1898) hatte nach Jahren der Wanderschaft seinen Bäckermeister bestanden und war mit dem Handelsregistereintrag ab 1876 auch offiziell als Weinhändler tätig. Vor der Niederlassung auf der Elbstr. 9 hatte der Vater seit 1880 den Burgkeller gepachtet. 1882 wurde Ernst Otto Horn durch König Albert zum „Königlichen Hoflieferanten“ ernannt. Die Mutter (1856 – 1943) war eine geborene Lansky. Ihr Vater hatte als Schafzuchtmeister im Vorzeigegut Leutewitz gearbeitet. Leutewitz war unter der Führung von Ökonomierat Steiger durch die Merinoschafzucht länderübergreifend zum Begriff geworden. Die Leutewitzer Merinos wurden bis nach Australien exportiert.

Otto Horn besuchte die Realschule in Meißen, die er Ostern 1896 mit dem Reifezeugnis verließ. Danach begann er eine kaufmännische Ausbildung in Dresden. Nach Jahren der Wanderschaft und Praktikas als Küfer und kaufmännischer Angestellter bei Winzern in Deutschland, Österreich und Italien trat Otto nachdem frühen Tod des Vaters (1898) 1904 als Teilhaber neben seiner Mutter Emma in das Geschäft (Offene Handelsgesellschaft) ein. Seinen Militärdienst absolvierte er bei den Königlich-Sächsischen Schützen als Füselier im Regiment Nr. 108. Infolge einer Verletzung wurde er felddienstunfähig und als Reserveoffizier entlassen.

Königlich-sächsischer Schafzuchtmeister Lansky (Emma Horns Vater). Die Aufnahme entstand in London 1862 bei einer Tierzuchtschau im Battersea Park.

Aufgrund der guten Geschäftslage erfolgte die kontinuierliche Erweiterung des Vermögens durch Kauf von Grundstücken. Der Vater hatte bereits 1866 die Elbstr. 9 und 1889 die Elbstr. 10 erworben. 1893 erwarb die Familie das Weinberggrundstück Plossenwerg 4, 1897 den Baderberg 2, 1898 den Schloßberg 14, 1908 die Elbstr. 11 und 1912 den Schloßberg 13. Otto Horn war Mitglied des Vorstandes im Weinbauvereins und im Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs. 1917 tritt er dem Meißner Geschichtsverein bei und seit 1920 war er auch Vorstandsmitglied des Museumsausschusses. Spätestens seit dieser Zeit baute Otto Horn seine umfangreichen privaten Sammlungen (Münzen, Plastik, Grafik, Bücher, Gemälde, Uhren) kontinuierlich auf. Freundschaften zu Helmuth Gröger und Walter Hentschel beeinflussen sicher seine Sammlertätigkeit. Wissenschaftliche Schriften über seine Sammelobjekte sowie zahlreiche Manuskripte zeugen von seiner Sammelleidenschaft und Kunstkenntnis.

1937 umfasst das Betriebskapital ohne Grundstücke ca.60.000 Reichsmark. In dem Jahr scheidet seine Mutter Emma aus der Handelsgesellschaft aus. 1943 löste Otto Horn die Offene Handelsgesellschaft auf. Zugleich erarbeitet er sein umfängliches Testament mit 63 Punkten, das in der Folge bis zum Mai 1945 3 Nachträge und 4 Zusätze erhält. Die wichtigen Punkte werden dabei nicht korrigiert. Der Großteil seines Vermögens übereignet Otto Horn einer Stiftung, benannt nach seinen Eltern. Am 7. Mai wählt Otto Horn mit seiner langjährigen Haushälterin Minna Wolf den Freitod in seinem Wohnhaus Plossenweg 4.

Über die Gründe für den Freitod Otto Horns kann nur spekuliert werden. Tage zuvor war er im Kreis von Freunden noch als Aushilfswirt in seiner Lieblingsschänke, den „Winkekrug“, zu finden. Das Leben ging trotz des nahenden Kriegsendes weiter, auch wenn von vielen Menschen die Bedrohlichkeit der Situation gesehen wurde. Ein politisches Engagement Otto Horns in der NS-Zeit ist aus den zahlreich überkommenen Dokumenten nicht ansatzweise erkennbar. Sicher hatte Horn die zu erwartenden Umstände des Umbruchs im Jahr 1945 als äußerst radikal eingeschätzt, zudem wäre er als wohlhabender Bürger sehr schnell in den Fokus der neuen Administration geraten.

Otto Horn als junger Mann (um 1905, im Bild links) vor dem Wohnhaus Plossenweg 4, die Mutter Emma ist die Zweite von links