Ein Zeit- und Lebensbild

Bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts prägte die Stadt Meißen ein tradiertes mittelalterliches Erscheinungsbild. Erst mit dem Abbruch der Stadttore und der Preisgabe der Stadtbefestigung sollte ein städtebaulicher Wandlungs- und Entwicklungsprozess in Gang gesetzt werden, der weit über die Altstadt hinausreichte. Von den Auswirkungen des 30-jährigen Krieges war die Stadt bis dahin noch immer gezeichnet. Durch die umfänglichen Bevölkerungsverluste und Zerstörungen stieg Meißen im 17. Jahrhundert zu einer unbedeutenden Kleinstadt herab (1) . Die Ansiedlung der ersten europäischen Porzellanmanufaktur im Jahre 1710 durch König August in der Albrechtsburg brachte keine bedeutsamen Impulse für die Stadtentwicklung. Der Wiederaufbau mancher Grundstücke erfolgte teilweise erst Anfang des 19. Jahrhunderts(2). Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur waren dringend geboten, sollte Meißen nicht weiter auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis stehen. Die rechtlichen Voraussetzungen, wie die Umsetzung der Gemeindereform 1830/31 und Einführung der Gewerbefreiheit 1862, waren durch die sächsische Regierung beschlossen worden. Unter der Ägide des Bürgermeisters Richard Hirschberg (1820 – 1886, Bürgermeister 1859 – 1886)(3)wurden in Meißen richtungweisende Entscheidungen auf den Weg gebracht, die das desolate Arbeiten der Verwaltung neu ausrichteten und das Stadtbild nach Jahrhunderten der Stagnation nachhaltig veränderten.

1. Vater Ernst Otto Horn im Stadtratskegelklub, rechts im Bild, um 1896 (STAM

1. Vater Ernst Otto Horn im Stadtratskegelklub, rechts im Bild, um 1896 (Stadtarchiv Meißen, Fotosammlung)

Im Zuge der Industrialisierung waren die Ausweisung neuer Bauflächen für die Ansiedlung der Fabriken und neuer Wohngebiete dringend geboten. Dazu trieb die Stadtführung die Erschließung des Triebischtales voran, das Triebischbett wurde verlegt und kanalisiert, wichtige Fabriken (Teichertwerke 1863, Porzellanschlämmerei Tielsch 1866, 1869 Nähmaschinenfabrik Biesold & Locke , 1872 Stockfabrik Hentschel & Wittig, 1872 Meißner Felsenkellerbrauerei und Ziegelei Otto & Schlosser im Buschbad, 1873 Vereinigte Zünderwerke und Gasanstalt, 1874 Deutsche Jutespinnerei und Weberei, 1878 neuer Schlachthof, u.a.m.) angesiedelt und zahlreiche Straßenzüge neu errichtet. Ein wichtiger Träger dieser Entwicklung war der Ausbau des Eisenbahnnetzes. Die Bemühungen einer Streckenführung über Meißen zu erreichen, waren bei der ersten Fernbahnlinie Dresden – Leipzig 1835/36 erfolglos geblieben. Der erste Eisenbahnanschluss kam 1860 mit der Errichtung der Stichlinie Meißen – Coswig. Im Jahre 1867 folgte der Neubau der Linie über Nossen, Döbeln, Borsdorf nach Leipzig. Diese Prosperität in Meißen ordnete sich in den wirtschaftlichen Aufschwung des Deutschen Reiches ein.

In dieser Phase des Meißner Aufbruchs wurde Ernst Otto Horn am 04.12.1880 geboren. Sein Vater (1845 – 1898, Abb. 1), der die gleichen Vornamen trug, war Bäckermeister auf der Elbstr. 9. Er hatte für sich die Zeichen der Zeit verstanden. Nach Schulausbildung (Abschluss Ostern 1859) und Lehrausbildung 1858 – 1861 bei Meister Heinrich Fickert(4) zum Bäcker in Meißen gang er entsprechend den Vorschriften auf Wanderschaft in die deutschen Länder und 1865 für drei Jahre nach Paris. Mit dem Erwerb der Bürgerechte am 1.Mai 1868, des Hauses Elbstraße 9 ebenfalls im Mai des Jahre 1868, sicher nur möglich mit finanzieller Unterstützung durch den Vater, waren die Voraussetzungen für den Erwerb des Meisters und der Gewerbeanmeldung erfüllt(5). Mit 23 Jahren war Ernst Otto Horn (sen.) selbstständiger Bäckermeister, der mit dem Antrag beim Handelsgericht 1876 sein Geschäftsfeld um den Weinhandel für in- und ausländische Weine erweiterte(6).

2. Mutter Emma Horn, Stich von Georg Jahn, 19 18 (STAM Grafiksammlung XXII a 34)

2. Mutter Emma Horn, Stich von Georg Jahn, 19 18 (Stadtarchiv Meißen, Grafiksammlung XXII a 34)

 

In Meißen-Cölln schloss E. O. Horn (sen.) am 07. Juli 1877 mit Emma Henriette Lansky (Abb. 2), geboren am 2. Mai 1856 in Leutewitz, die Ehe. Deren Eltern lebten zu der Zeit als Rentiers in Meißen-Cölln. Der Vater Matthäus Friedrich Lansky war über Jahrzehnte auf dem Rittergut von Familie Steiger, in deren Besitz seit 1764, in Leutewitz für die Schafzucht zuständig(7). Er durfte den Titel aufgrund seiner Verdienste um die sächsische Schafzucht den Titel „Sächsischen Schafzuchtmeister“ führen.

3. Ernst Otto Horn, um 1938, Fotografie aus dem Bestand der Stiftung

3. Ernst Otto Horn, um 1938, Fotografie aus dem Bestand der Stiftung

Ernst Otto Horn (jun., Abb. 3) sollte das einzige Kind der Ehe bleiben. Die Eltern schulten den Jungen Ostern 1887 in die höhere Bürgerschule, damals für die Knaben in der „Roten Schule“ am Schulplatz, ein. Nach vier Jahren erfolgte der Wechsel an die Realschule mit Progymnasium auf dem Neumarkt. Dort war Wilhelm Loose Direktor(8). Hier empfang E. O. Horn erste Anregungen zur Beschäftigung mit Kunst und Geschichte in einem Schulklima, das diese Werte bewusst förderte. Auf diese kreativen Verhältnisse verwies Alfred Leicht in einem persönlichen Schreiben an E. O. Horn im Jahre 1943 und bezeichnete ihn als „Loose-Schüler par exellenz“(9). Der ehemalige Schüler Horn reflektierte die Begegnung mit Wilhelm Loose in seinem Traktakt „Über das Sammeln von Stadtansichten“(10). Das einzige überkommene Dokument der Schulzeit ist die Schülerliste des Jahres 1893 an der Realschule (Abb. 4). E. O. Horn nahm hier den beachtlichen fünften Platz in der Klasse ein(11). E. O. Horn verließ Ostern 1896 mit der mittleren Reife die Schule, um in Dresden eine Kaufmannslehre zu beginnen. Leider sind Dokumente zur Lehrausbildung nicht überliefert. Während der Lehrzeit verlor der Sohn frühzeitig den Vater. E. O. Horn (sen.) starb im Alter von 53 Jahren am 7. Dezember 1898(12).

4. Schüler Ernst Otto Horn . - In: Jahresbericht der Realschule mit Progymnasium, 1893

4. Schüler Ernst Otto Horn . - In: Jahresbericht der Realschule mit Progymnasium, 1893

Offensichtlich trug das enorme Engagement für die Belange der Firma und die permanente Überarbeitung ihren Teil zum frühen Tod bei. Bereits 9. August 1881 hatte der Vater als Pächter die Gaststätte „Königlicher Burgkeller“, errichtet an Stelle der ehemaligen Schösserei, eröffnet. E. O. Horn (sen.) betrieb das Restaurant bis 1887. Es gab offensichtlich gute Verbindungen zum Königshaus, wie auch der verliehene Titel „Königlicher Hoflieferant“, den die Firma mindestens seit dem 20.05.1885 trug, untermauert. Am Ausbau der Firma, die der Senior stets im Blick hatte, wurde immer gearbeitet. 1889 erwarben die Horns das Grundstück Elbstr. 10, 1893 kam der Plossenweg 4 und 1897 der Baderberg 2 dazu(13). Mit dem Tod von E. O. Horn (sen.) wurde die Firma in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Teilhaber waren Emma Horn, Hellmuth Ehregott Geisler als Altersvormund für den noch unmündigen E. O. Horn jun., und Stadtrat Carl Heinrich Nicolai(14). Bis zu seinem Eintritt in elterliche Geschäft arbeitete E. O. Horn (jun.) als kaufmännischer Angestellter am Rhein, der Mosel, in Norddeutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Dahinter stand die tradierte Auffassung, dass Wanderschaft zur Vervollkommnung der beruflichen Kenntnisse diente. Es lag aufgrund des Firmenprofils nahe, dass E. O. Horn sich bei den ausgewählten Firmen auch die Grundlagen der Winzerei und Küferei aneignete. 1901 begann E. O. Horn jun. seine Arbeit im elterlichen Geschäft, 1904 stieg er als Teilhaber und Nachfolger ein, das er bis zu seinem Tode leitete(15). Die Bürgerrechte erwarb der Kaufmann 1907. 1909 kaufte E. O. Horn das Grundstück Elbstr. 11(16). 1914 wurde E. O. Horn zum Militärdienst eingezogen und diente beim Königlich Sächsischen Schützenregiment Nr. 108. Infolge einer Verwundung schied er aufgrund von Dienstunfähigkeit als Reserveoffizier vorzeitig aus. E. O. Horn jun. arbeitete weiterhin an der systematischen Ausweitung der Geschäftsfelder. Das Geschäft wurde neben den Weinhandel auch auf Spirituosen ausgeweitet. Die firmeneigene Likörfabrik war im Baderberg 2 untergebracht. Bereits 1908 übernahm er die Kollektion der Königlichen Lotteriedirektion und die Königlichen Altersrentenbank vom verstorbenen Stadtrat Carl Heinrich Nikolai. 1912 wurde der „Winkelkrug“, eine traditionsreiche Weingaststätte am Schloßberg, gekauft. 1917 übertrug der Fiskus E. O. Horn die Geschäftsstelle der Königlichen Brandversicherungskammer, Abteilung Mobiliar. Mit dem Erwerb des 18.000 qm großen Grundstückes Plossenweg 4 im Jahre 1893, wunderbar im Blickbezug zur Altstadt unterhalb der Martinskapelle gelegen, wurde der Schritt zur eigenen Kelterei vollzogen. Die Kelterei befand sich bis 1945 in der Wilsdruffer Str. 7. Das Gebäude wurde 2013 im Zuge des geplanten Neuausbaus der Wilsdruffer Str. abgebrochen.

5. Rudolf Henschel, Meißen vom Hornschen Grundstück aus, Kupferstich, um 1930 (STAM

5. Rudolf Henschel, Meißen vom Hornschen Grundstück aus, Kupferstich, um 1930 (Stadtarchiv Meißen, Grafiksammlung)

Es kann im Detail nicht mehr nachvollzogen werden, welche Rebflächen die Fa. Horn im Einzelnen unterhielt. Bekannt sind Bereiche am Plossen und in Scharfenberg(17). Emma Horn trat wie Ernst Robert Gehre, Prokura seit 02.06.1905, 1937 aus der Firma aus. Dafür kam der Kaufmann Erhard Martin Forberger in die Gesellschaft, leistete eine verzinsliche Sicherheit von 8.000 Reichsmark und erhielt dadurch eine Umsatzbeteiligung(18). Am 18.10.1943 gab es einen erneuten Handelsregistereintrag, da E. M. Forberger im Felde gefallen war. Es wurden die Erben benannt, seine Prokura erlosch und die neue Prokura übernahm der Kaufmann Theodor Albrecht Riedel. Die offene Handelsgesellschaft wurde zugleich aufgelöst(19). Über die Jahrzehnte führte E. O. Horn die Firma erfolgreich. Dieser Erfolg war die Grundlage für den Aufbau seiner umfangreichen, universellen Sammlungen. Zur Gründung einer eigenen Familie sollte es bei E. O. Horn nie kommen. Mit seiner Haushälterin Minna Wolf (1887 – 1945) lebte er bis zum Mai 1945 in seinem Sammlungs- und Wohnhaus Plossenweg 4 (Abb. 5).

Neben seinen beruflichen Aufgaben engagierte sich E. O. Horn in zahlreichen Ehrenämtern. Er gehörte seit 06.05.1902 dem Museumsausschuss im Meißner Geschichtsverein an(20). Es war naheliegend, dass er zu diesem Verein einen besonderen Bezug hatte. Zahlreiche Schenkungen sind in den Akten des Geschichtsvereins dokumentiert, er hielt hier diverse Vorträge zur Münzkunde, zur sächsischen und deutschen Plastik oder zur Entwicklung des Stadtbildes(21)(Abb.6).

6. Autograph von Ernst Otto Horn, Auszug aus dem Konzept des Vortrages zum Stadtbild

6. Autograph von Ernst Otto Horn, Auszug aus dem Konzept des Vortrages zum Stadtbild (Stadtarchiv Meißen, Nachlass Horn)

1927 rückte E. O. Horn in den Vorstand des Geschichtsvereins. Das Museum hatte er auch in seinem Testament bedacht, eine stattliche Zahl von Sammlungsteilen (Gemälde, Möbelsammlung) gehören heute zum Bestand(22). Im Weinbauverein stand der Stifter ebenfalls im Vorstand. Zum Weinbau hat er selbst eine Publikation herausgegeben(23). In der öffentlichen Wahrnehmung hatte sich E. O. Horn einen guten Ruf erarbeitet, so dass er zu den Verhandlungen über ein neues Weingesetz das Königreiches Sachsen im Jahre 1913 als Sachverständiger im Reichsgesundheitsministerium vertrat. Seine Aktivitäten erstreckten sich weiterhin auf folgende Vereine: Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs, Sächsischer Altertumsverein (seit 05.02.1917), Numismatische Gesellschaft zu Dresden, Verschönerungsverein „Naturfreund“, Verein „Amicitia“ und den Verein der „Schlaraffen, Castrum Misnensis“(24). E. Horn trug in der illustren Runde den Namen “ Most der Geklärte“ (Abb. 7)

7. Auszug aus der Schlaraffenstammrolle, a.U. 72 - 73 (1932), S 358. – Aus: Nachlass Hösel

7. Auszug aus der Schlaraffenstammrolle, a.U. 72 - 73 (1932), S 358. – Aus: Nachlass Hösel, Stadtarchiv Meißen

Als Sammler war E. O. Horn Dilettant im besten Sinne. In welcher Komplexität er sammelte, verblüfft im Detail immer wieder: Münzen, Siegel, Möbel, Grafik, Gemälde, Uhren Skulpturen, Zinn, Fotos, Bücher zur Meißner Geschichte seit dem 16.Jh., zur Münzkunde, zur Kunstgeschichte, Meißner Autoren. Er wuchs über die Jahre an den Aufgaben und hatte natürlich über Vereinsmitgliedschaften wichtige Kontakte gefunden. Als Beispiel soll an der Stelle der Sächsische Altertumsverein dienen, wo er Professor Walter Hentschel als profunden Skulpturenkenner traf und sicher zahlreiche Hinweise zum Aufbau seiner Plastiksammlung erhielt. Diese besondere Freundschaft reflektiert auch das Testament. Walter Hentschel sollte nach dem Wunsche des Stifters gegen Honorar eine sächsische Geschichte der Plastik schreiben, wozu es leider aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen nicht kam(25). Ein anderes Segment: E. O. Horn kaufte wohl jede frühe Fotografie und Grafik, die er fand und die einen Bezug zu Meißen hatte. Diese Sammlungen sind weitgehend in der Foto- und Grafiksammlung des Stadtarchivs aufgegangen. Ohne diese Bestände wäre die Sammlungen schlicht belanglos(26). Ein weiterer wichtiger Freund des Stifters war Dr. Helmuth Gröger (1890 – 1957), promovierter Historiker, Autor von „Tausend Jahre Meißen“, Vorsitzender des Geschichtsvereins 1928 – 1933 und erster hauptamtlich bestellter Stadtarchivar in Meißen 1927 – 1946. E. O. Horn und H. Gröger saßen in aller Regel zwei Abende in der Woche über der Münzsammlung. Diese Münzsammlung hatte 1945 einschließlich der Siegel einen Bestand von ca. 65.000 Objekten(27). Damit hatte die Sammlung als bürgerliche Sammlung sicher einen quantitativen Spitzenplatz in Europa.

Das Testament reflektiert in seiner Gesamtheit das Grundverständnis eines Sammlers, der fraglos leidenschaftlich über Jahrzehnte sammelte und für den es gleichlaufend ein normaler Vorgang sein sollte, diese Sammlungen für die Testamentserfüllung und Stiftungszweck wieder aufzugeben.

E. O. Horn hat auch eine publizistische Spur hinterlassen(28). Schwerpunkte der Auseinandersetzungen waren dabei seine Sammlungsgebiete und seine Reisen. Diese Arbeiten sind neben den wissenschaftliche Aussagen vor allem deshalb wichtig, um den Menschen E. O. Horn zu verstehen und etwas aus seiner Lebenswelt zu erfahren. Es sind für uns in der Hinsicht die einzigen Quellen, da Tagebücher und persönlicher Schriftverkehr nicht überkommen sind. Schwerpunkt der Publizistik war für ihn die Münzkunde: “ Ein Beitrag zur Systematik der Meißner Groschen“, „Zur Geschichte des Groschen“, „Über die Entwicklung des Geldwesens und der Münzgestaltung seit der Antike“(29), „Zur Geschichte der Brakteaten“, „Zur Brakteatenkunde des Hauses Lobdeburg“(30), „Die Münzen und Medaillen aus der Staatlichen Porzellanmanufactur zu Meißen“(31), ein Vortrag über Denare(32) deuten hier den inhaltlichen Bogen an. E. O. Horn liebte seine Heimatstadt über alles. Diese für ihn grundlegende Beziehung bestimmte den Sammlungsanspruch auf Vollständigkeit seiner Bildbestände, egal ob Grafik, Gemälde oder Fotografie. Der künstlerische Wert war für ihn nicht primäres Kriterium. Er wusste genau, in welchem Umbruch auch der Meißner Mikrokosmos wie die gesamte Gesellschaft durch die Industrialisierung geraten war. Das galt es in allen Facetten nachvollziehbar festzuhalten. Diese Gedankenwelt wurde in seinen Vorträgen zu Skulpturen, über seinen Reflexionen zur Sammlungstätigkeit und erst Recht in den Beiträgen zum Stadtbild deutlich(33). Eine Sonderrolle nahm bei den Vorträgen der Beitrag „Verstand und Instinkt“ ein(34). Der 1940 geschriebene und damals unpubliziert gebliebene Beitrag muss wohl als persönliche Auseinandersetzung E. O. Horns mit der zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung und Kulturlosigkeit im Dritten Reich angesehen werden. Außerdem hinterließ der Stifter einige Reiseberichte(35). E. O. Horn gehörte zu der gesellschaftlichen Schicht seiner Zeit, die sich Reisen leisten konnten Schon im Anschluss an seine kaufmännische Ausbildung im Jahr 1900 hielt er sich bis zum Firmeneintritt 1901 monatelang in Frankreich, Italien und Spanien auf. 1903 lernte er durch eine Marokkoreise erstmals die muslimische Welt kennen. 1911 folgten Exkursionen ins Landesinnere von Tunesien und nach Ägypten (Kairo).Weitere Reiseberichte sind leider nicht überliefert, obwohl diese sicher regelmäßig stattgefunden haben. Allein die ständige Vervollkommnung seiner Sammlungen bedingten regelmäßige Exkursionen in Sachsen und Deutschland. Dazu nutzte der Stifter die Neuerungen der Zeit. Bereits im Jahre 1904 besaß der Stifter einen Magdebuger „MFW“ mit 3 PS (!) Leistung. In der durchaus überschaubaren zweiseitigen Meißner Kraftfahrzeugliste des Jahres 1912 ist er erneut unter den Eignern zu finden(36).

Abkürzungen:
Jh. – Jahrhundert
MVGM – Mitteilungen des Vereins zur Geschichte der Stadt Meißen
Rep. – Repertorium
STAM – Stadtarchiv Meißen

Quellenangaben:

  1. (1) ca. die Hälfte der Wohngebäude wurde zerstört; gab es 1610 einschließlich der Freiheit 3500 Einwohner, waren es um 1719 ca. 3200. Vgl. dazu: Wilhelm Loose, Meißens Zustand nach dem schwedischen Brande von 1637.
    – In MVGM 4(1897)1, S. 424 – 502 ; Zerres, Bruno: Bevölkerungsverhältnisse der Stadt Meißen im 17.Jh.- In: ebenda 11(1928), Heft 2. – S229 – 250; ein wunderbares Bild zu dem Wandlungsprozess liefert Ernst Otto Horn selbst mit seinem Beitrag „Die Veränderung des Meißner Stadtbildes und seine Maler“ – STAM 13.3.15., (Nachlass Horn)
  2. (2) Das im Stadtarchiv befindliche Urbar, seit 1719 geführt, zeigt diese Entwicklung detailliert , STAM, Urbar
  3. (3) Richard Hirschberg studierte Jura in Leipzig. Über die Stationen Kriminalbeamter in Leipzig (1884 – 1850), Bürgermeister in Wurzen (1850 – 1859) kam er nach Meißen.
  4. (4) Abschluss am 1.Mai 1861, siehe Dokumente von E. O. Horn sen. STAM, 13.3. 4. Nachlass Horn.
  5. (5) siehe Finanzverträge und weitere Unterlagen im Nachlass Horn, STAM 13.3.1. und 13.3.2; für den Erwerb der Bürgerrechte mussten 20 Taler Gebühr gezahlt werden.
  6. (6) 05.10.1876 Eintrag im Handelsregister Fol. 142
  7. (7) Der geheime Ökonomierat Heinrich Adolf Steiger (1817 – 1897) führte das Rittergut Leutewitz durch die Vollblut-Merino-Schafzucht fraglos zur Weltberühmtheit. Die Zucht erhielt auf der Weltausstellung 1862 in
    London eine Goldmedaille, die Zucht wurde von Lansky in London vorgestellt. Die australischen Schafbestände gehen weitgehend auf die Leutewitzer Zucht zurück; Foto von Lansky im Bestand der Stiftung
  8. (8) Prof. Dr. Wilhelm Loose (1839 – 1902), Lehrer, Heimatforscher, Begründer des Meißner Geschichtsvereins 1881 und Begründer des Meißner Stadtarchivs, deren Erschließung er von 1881 wie auch das Archiv des Hochstiftes nebenberuflich bis zu seinem Tode betreute – Zur Erschließung der Meißner Schulverhältnisse und -Entwicklung sind zahlreiche Dokumente im Bestand des Stadtarchivs unter der Signatur Mf zu finden . In der Zeit gab es zahllose Veränderungen und Umstrukturierungen, da nach der „Roten Schule“ (Eröffnung 1855), die Triebischtalschule (Eröffnung 1877) und die Neumarktschule (Eröffnung 1879) in kurzem Abstand gebaut wurden und infolge die Schulstruktur mehrfach geändert wurden.
  9. (9) Prof. Dr. Alfred Leicht ( 1861 – 1946), Philologe, Lehrer am Realgymnasium, 1906 – 1909 Vorsitzender des Geschichtsvereins, div. Beiträge in den MVGM , Bd. I – VI und Bd. VIII; im Nachlass Horn ist der Brief zu
    finden. – STAM 13.3.2.
  10. (10) STAM , 13.3.8., Nachlass Horn
  11. (11) Jahresbericht der Realschule mit Progymnasium 1893. – STAM Mf 36, S. 13.
  12. (12) Sterbeurkunde 519/1898 Standesamt Meißen
  13. (13) s. Urbar der Stadt Meißen, STAM
  14. (14) Handelsregistereintrag, Meißner Tageblatt vom 19.09.1899
  15. (15) s. Meißner Tageblatt vom 11.10.1904
  16. (16) s. Urbar der Stadt Meißen, STAM, Brandkataster Nr. 193
  17. (17) E. O. Horn verkaufte unter dem Namen „Scharfenberger“ und „Martinsberger“ Wein, s. STAM Grafiksammlung XXIII a 1
  18. (18) Meißner Tageblatt 08.06.1905 und 30.01.1937
  19. (19) Meißner Tageblatt 23.10.1943, S. 5
  20. (20) Akte Geschichtsverein Meißen STAM Rep. I B 727
  21. (21) Akten Geschichtsverein STAM Rep. I B 719 – B 729 , Nachlass Horn, STAM Rep. 13.3. – am 25.02.1931 hielt E. O. Horn z.B. ein Vortrag zur Plastik des deutschen Mittelalters im Geschichtsverein.- In: MVGM 12 (1937)1. – S. 122; Der Vortag „Die Veränderung des Meißner Stadtbildes und seine Maler“ ist im Originalmanuskript im Nachlass zu finden , STAM Rep. 13.3; die Veröffentlichung erfolgte in: Die Heimat-Blätter zur Pflege der Heimatliebe, der Heimatforschung und des Heimatschutzes 1(1921)2. – S. 3 -5
  22. (22) Im Testament , STAM Rep. I E 838, zeigen die Punkte 8 (Plastik), 9 (Bilder), 10 (Bilder Meißner Künstler) 11 (Bibliothek des Geschichtsvereins), 12 (Lithosteine v. A. Barth), 26 (alte Möbel und Antiquitäten), 27 (Ölbilder Hornscher Vorfahren) die Schenkungen ans Museum bzw. an das Stadtarchiv
  23. (23) Horn, Ernst Otto: Ein Blick hinter die Kulissen der Weinerzeugung. – unpubliziertes Manuskript, 1935. – 40 S. – STAM, Mm18
  24. (24) Im Jahrbuch der Schlaraffen des Castellum Misniense von 1931/32 (da die Schlaraffen eine eigene Zeitrechnung haben, hier anno Uhui 72/73) ist E. O. Horn als Most der Geklärte aufgeführt. – s.a. Nachlass Erich
    Hösel im STAM, Rep. 13.33., Altschlaraffische Stammrolle 72/73. – S. 358
  25. (25) Testament Horn, STAM Rep. I E 838, Punkt 8.: Schenkung d. Madonna von 1420; Punk46 enthält den Wunsch Horns, das W. Hentschel gegen Honorar eine sächsische Geschichte der Plastik schreiben sollte.
  26. (26) Die Bestände im Stadtarchiv aus dem Nachlass von E.O. Horn tragen auf der Rückseite den Eintrag: aus dem Vermächtnis von E. O. Horn
  27. (27) Der erfasste Gesamtbestand im Münzkabinett Dresden beträgt 46.042 Objekte (Stand Februar 2014), die Siegelsammlung umfasst ca. 6000 Objekte(exakte Erfassung bislang ausstehend). Es gibt Teilbestände im
    Stadtarchiv Meißen von mindestens 29 Münzen und es gibt weiterhin eine unbekannte Anzahl von Nachkriegsverlusten. Eine vollständige Erfassung der Sammlung war bis 1945 nicht erfolgt und in den Nachkriegswirren gab es einige nicht quantifizierbare Verluste durch Auslagerung (Schloß Reinsberg), Plünderung (Plossenweg 4) und Entlohnung von Personen für beauftragte Leistungen der Nachlassverwaltung
    (Prof. Gehre aus Heidelberg als Schätzer der Münzen). Z.B. sind die nachweislich aus der Jauchegrube Plossenweg 4 geborgenen 400 Medaillen und Schaumünzen (Protokoll in der Nachlassverwaltung des Hornschen Vermögens in STAM Rep I E 841) bis heute unauffindbar.
  28. (28) Nachlass Horn im Stadtarchiv Meißen STAM ML 59 – Reiseeindrücke und bunte Gedanken; Manuskripte zu den einzelnen Beiträgen STAM 13.3.6, 13.3.7, 13.3.8, 13.3.9, 13.3.10, 13.3.11, 13.3.12, 13.3.13, 13.3.14, 13.3.15: Beiträge zur Münzkunde, zum Stadtbild, zu Verstand und Instinkt, zum Weinbau, Reisenberichte
  29. (29) STAM 13.3.8
  30. (30) STAM 13.3.6, 13.3.7
  31. (31) STAM 13.3.10, Sonderdruck; Der Beitrag ist 1922 beim Verlag Karl W. Hiersemann, Leipzig, erschienen
  32. (32) STAM 13.3.14
  33. (33) „Über das Sammeln von Stadtansichten“, „Stadtbild und Stil“ in Nachlass Horn STAM 13.3.8; Vortrag über gotische Plastik und über das Sammeln von Kunst im Nachlass Horn STAM 13.3.13; Vortrag über die Veränderung des Meißner Stadtbildes im Nachlass Horn STAM 13.3.15.
  34. (34) im Nachlass Horn, STAM 13.3.11
  35. (35) E. O. Horn: Reiseeindrücke und bunte Gedanken. – unpublizierte Manuskripte – STAM, ML 59
  36. (36) 1904 – STAM, Rep. I Q 1571, S. 77 ; 1912 – STAM, Rep. I Q 1512, S. 194