Ein Beitrag von Oswald Gröschel aus dem Jahre 1941

Wenn ich mich für Meißen einsetze, ist als erstes und überhaupt zu bemerken, dass ich damit auf keinen Posten ziele, weder bezahlt noch ehrenamtlich.
Wenn man sieht, dass das eigentliche Meißen immer weniger wird, dass so viele Kleinmotive einfach verschwinden und dass die untere Stadt immer mehr kalte Vorstadt und schließlich mal durchschnittliche Mittelstadt wird wie Nossen, Döbeln usw., dann kann und darf man wohl mal was sagen. Umso mehr, als ich mich vergewisserte, dass auch Andere den gleichen Gedankengang haben. Ja, man sagte mir: „Man wird darauf Wert legen, in Dresden einmal eine Meissner Stimme zu hören.“ Was Meißen anziehend macht oder machte!, das sind neben einen berühmten Bauten die kleinen Idyllen, die kleinen Dinge, die aber Charakter haben und immer Anregung zu wirklichem Denken geben. So lese ich jetzt zufällig in einem Hefte über Flandern von 1916, in einer Zeit großer Geschehen: „Die Idylle behält ja immer ihr Recht, auch in dieser Zeit gewaltigster Taten und Probleme und vielleicht gerade in ihr.“ Wenn Meißen auch die letzte gotische Stadt in weitem Umkreise ist, so hat oder hatte (!) es doch zudem noch so vieles Anziehendes und es ist Tatsache: das kennen Berliner besser als Meißner. Solche Kleinmotive aufzusuchen ist die Lieblingsidee von Photographen und Zeichnern und darin müsste Meißen das beliebte Wochenendziel von Dresden, Leipzig und Berlin sein. Aber gerade von dem so Anziehenden verschwindet immer mehr und mehr und der Ersatz durch schöne Gedichte des Stadtpoeten oder Schaufenster- oder Balkonschmückungswettbewerbe oder Grünenlagen ist nicht ausreichend. In Meisen tritt das bei jeder Verstädterung übliche ein: das Museum (eine Sondersache) wird voll und voller und die allen sichtbare Schönheit verschwindet. Das kann unmöglich das Ziel sein. Wenn das so Weitergeht, bleibt nur noch die Bergstadt und die Staatliche Porzellan-Manufaktur als Wertvolles. Aber diese Vernachlässigung muss sich auf den Fremdenverkehr auswirken und der ist nun mal für Meißen genau so eine Einnahme wie die Industrie.

Das sagte in Meißner Geschäftsmann wie auch ich an der zuständigen Stelle. Eindruck machte es keinen. Es wird also in Zukunft sein wie bisher: die Fremdenautobusse fahren nur zur Burg und zur Manufaktur und dann: raus aus Meißen. Denn es bietet nichts mehr. Damit fällt das Wandern und Bummeln durch die Gassen und Straßen weg und den Schaden haben die Geschäfte und Wirtschaften. Denn gerade in diesen Autobussen sind die Kaufkräftigsten und mit denen fällt eine Einnahme aus, für die andere mit Steuern aufkommen müssen. Allein wegen dem Ausbleiben der Fremden musste das Antiquitätengeschäft von Medefind im Hohlweg (Nr. 4) schließen. Es hatte einfach keinen Verkauf mehr. Denselben schwindenden Umsatz verzeichnen aber auch Andere. So ist Meißen eine Stadt, die sich selbst im Weg steht.
Erfahrungsgemäß locken die Schaufenster der Kleinstadt viel mehr als die der Großstadt. Durch Erste geht man in Ruhe, will was sehen, durch Letztere in Hast. Allein darauf beruht der Wohlstand der kleinen Städte in Franken und Thüringen.
Wenn Meißen schön ist, dann reichen die mitgebrachten Filme nicht, also kaufen. Das Wandern durch die Straßen macht Hunger und Durst, auch kauft man Tabak und Postkarten. Man sieht ein Buch, zu dem man in der Großstadt keine Zeit fand. Schließlich auch mal das ein oder andere Werk der Künstler. Man bleibt auch länger. Es ist daran zu erinnern, dass lange vor dem Weltkrieg, als Meißen nach schön war, eben das alte Meißen, Fremde ein und zwei Wochen in den Gasthöfen wohnten. Um heute Meißen anzusehen: nicht einen Tag! Weil das eigentliche Meißen immer weniger wird, sind auch die Zeiten längst vorbei, in denen ganze Malklassen kamen, durch die Straßen gingen und eben doch Geld sitzen ließen. Wenn Meißen aber gemalt wird, es war sogar einmal «die meistgemalte Stadt, ist das sogar eine kostenlose Werbung. Allein dadurch sind Rothenburg, Dinkelsbühl, Iphofen und sogar ein vordem völlig unbekanntes Dorf (Worpswede) berühmt und groß geworden. Der Fremdenverkehr bildet dort eine völlig sichere Einnahme. Man sieht, was andere kleine Städte für die Hebung des Fremdenverkehrs tun: Anziehendes erhalten. Aber darin fehlt es in Meißen bedauerlicher Weise vollkommen. Neue Kunst aber sucht in Meißen niemand. Die ist in den Großstädten immer noch neuer. So herrscht in Meißen immer noch der Geist von 1910: es ging doch bisher, es wird auch weiter gehen. Bestand doch 1913 dar Plan sämtliche – Privatgebäude des Burgberges abzureißen und an ihre- Stelle neue, aber wuchtige Renaissancehäuser zu setzen. Eins wuchtiger als das Andre. Es ist ferner Tatsache: noch 1939 wollte ein Meissner Geschäftsmann aus seinem Laden (Fleischergasse 14) die Renaissancedecke herausreißen lassen und die Fenster des „Golden Schiffes“ (Siebeneichnerstr.2) sollte durchaus gleich groß gemacht werden, alle schaufenstermäßig.

Der Meißner Geist von heute aus einer Unterhaltung; „Ich stenographiere 125 Silben und verdiene 180 Mark. Und was sind Ihre sonstigen Interessen? Das sind meine Interessen“ Zu diesem hier eine Kritik: “Aber das ist mit einer alten Maschine geschrieben. Außerdem ist die Sache doch längst überholt. Warum denn also Lübeck wieder aufbauen? Ja, warum die Hände waschen? Sie werden ja doch wieder schmutzig.“ Es sind freilich nicht alle Meißner so. Aber die Wenigen, die davon was erkannt haben, mühen sich umsonst.

Es folgt ein ganzes Verzeichnis dessen, was einfach Verdorben wurde, was nun dem Stadtbilde Abbruch tut. Das ist ganz abgesehen von dem, was in den letzten Jahrzehnten hoffnungslos verdorben wurde. So die ganze Wasserseite. Letztere hat man in Nürnberg, Bamberg, Bernburg und Straßburg rechtzeitig geschützt. Meißen hat den begründeten Namen „Die Stadt der roten Dächer“. Es gibt sogar eine ganze Postkartenreihe, welche diese Bezeichnung etwas stark unterstreicht. Mit Recht ist ein Schieferdach, früher M. Schmidt auf der Burgstraße, endlich beseitigt worden. Aber eins der größten Dächer, das des Rathauses ist neu gedeckt und in Farben schillernd. Alles, nur nicht einheitlich rot. Dieser Baufehler ist nun hundert Jahre zu ertragen! Ein dunkles Dach hätte auch der Würde des Hauses entsprochen. Das Gegenbeispiel ist das Dach der ehemaligen Franziskanerkirche. In diesen Wochen ist auch der letzte, alte Holzbau einfach abgerissen worden. Er war so malerisch, dass er gezeichnet .und gemalt wurde. Ich bin mir völlig sicher, dass die Stadt kein Bild dieses Baues hat. Sie besitzt noch immer kein Bildarchiv und das in einer Zeit, in der andere Städte schon seit vielen Jahren ein Bildarchiv von ihrer Umgebung haben, wie z.B. Zittau das von Zittau-Land.

Dort, wo der letzte Holzbau fiel, Postgäßchen-Lorenzgasse, ist ein schönes Gartenhäuschen. Man denkt dabei an Schubertsche Musik. Als ich mich für dessen Erhaltung einsetzte, kam mir die Antwort: „Nu cha, das wird eins Tages eben auch fallen“, Ein zweites ist die Neugasse Nr. 61, am Grabenweg. Das kennt man gar nicht! Auf Crasso´s Weinberg stand ein altes Hochwasserzeichen, ein Mast, an dem bei Gefahr Bälle, nachts Laternen, gehisst wurden. Das Zeichen war ein schöner Hinweis, dass Meißen Elbestadt ist. Vor allen war es sehr wissend gesetzt: man sah es mehrere Kilometer weit stromauf und -ab. Es ist aber entfernt worden und befindet sich nun am Damm des Winterhafens. Elbanlieger müssen sich nun die Warnungen erst an den Bekanntmachungen holen. Das Handwerkszeichen der Bleibe in der Gerbergasse, gegenüber der „Rote Schule“, ist spurlos verschwunden. Ersatz ist eine Lichtreklame. Weil hier aber gleich vier nebeneinander sind, beachtet man keines mehr. Hat doch auch ein Beschlagschmied Neugasse, Ecke Nikolaisteg, sich auch eine solche zugelegt. Ein Schmied und eine Lichtreklame! Wahrscheinlich, weil es solche noch nicht genug gibt. Es gibt so viele, dass man sie nicht mehr beachtet. Es ist dazu keine Zeit mehr. Dagegen zieht das 300 Jahre alte Handwerkszeichen der Nagelschmiede Uferstr. 9 die Augen auf sich, denn es ist auf der Welt einmalig. Das ist der Unterschied. Da kommt Johann Christian Ehrenfried und grüßt das Handwerk, das sieht man. Das Zeichen hat der Meister nach Feierabend selber gemacht. Die beiden Löwen passen zwar nicht rein, aber das macht nichts. Das Zeichen, ist keine Akademiearbeit, will keine sein .Der Meister hatte bloß seine Freude dran und alle Anderen auch. An den aufdringlichen Lichtreklamen hat niemand Freude. Der Gedankengang
ist etwa: Lieferant Firma Emil Schneider & Co., Dresden-N. (irgendwie ist es so), Liste C, Vorlage 3 b, kleine Ausführung, Motiv amerik., Tarif 14, S. 22 Material, Zuschlag, Kiste, Versicherung gegen Diebstahl und Bruch; Bei Zahlung innerhalb 30 Tagen 2% Skonto Bankverbindung Dresdner Bank. (N.B.: gleiche Ausführung für Bautzen, Coswig, Schirgiswalde, Leisnig) Ferner: Reiterkaserne Dresden wünscht ähnliche Ausführung, jedoch 12-fache Größe. Desgl. Frauenkirche Dresden, in violett, mit Gehbahn und Himmelsbestrahlung) Aber auch unter dem Handwerkszeichen der Nagelschmiede war schon mal eine schillernde Lichtreklame, welche Gott sei Dank verschwunden ist. Das Tuchmachertor an der Frauenkirche hat man verkommen lassen, ein Trost: es ist Vermessen worden und eines Tages hat man zwar ein mittelalterliches, dafür aber funkelnagelneues Tor als Ersatz und die Kosten außerdem noch dazu. Das letzte Weinbergstor, außerhalb der Stadt (Nossener Str., bei Kil. 0,9) ist abgerissen worden. Es was ja war nicht aufregend schön. Es war nicht mal künstlerisch wertvoll. Aber in seiner Schlichtheit belebte es die Landschaft. Im Garten von Crasso`s Weinberg verwittert ungesehen hinter einem Schuppen (dort gehört es hin!), ein altes Winzerwappen. Das gehört nicht etwa ins Museum, sondern an den Ratskeller. An dem Crasso’schen Weinberghaus ist eine Wetterfahne aus der Zeit Karl V. spurlos verschwunden.

Ein altes Häusel, Leinewebergasse Nr. 6, ist als Fachwerkbau für jede Stadt eine wahre Zierde. Solche stehen in Braunschweig und Hildesheim unter Denkmalsschutz, obgleich diese Städte je etwa 800 solcher Bauten haben. Wenn solche Häuser durch Bomber vernichtet werden, spricht man mit Recht von Barbarei. Also sind sie doch kulturell wertvoll. Aber in Meißen will man das Abreißen amtlich betreiben. Das Häuschen sieht aus wie aus einem Märchen und genau von ihm sagte ein sehr unbefangener Herr vom Stadtbauamt: „Wenn die alte Bude doch endlich einmal abgerissen würde“. Dass dort an die Stelle der alten Laterne nicht etwa mal eine ganz moderne kommt! Meißen hat überhaupt noch viel Fachwerk Anderswo ist das erwünscht, weil es das Stadtbild belebt. In Meißen aber zieht man die grauen Wände vor, d.h. man wirft es zu. Das ist der Maurermeistergeist. Wie Fachwerk wirkt: freundliche Häuschen an der Hintermauer, im Jahnatal; dazu sehe man das Pfarrhaus in Lenz, nordöstlich von Meißen. Die Wirtschaft „Sächsischer Jäger“ im Rauhental hat auch nicht die geringste Erinnerung an die 13er.Der Name ist geradezu irreführend und könnte ebenso gut lauten „Zum Fußballer“.

Abgebrochen wurde ein urtümliches Brückchen in Garsebach. Ich wandte mich rechtzeitig an den „Sachsischen Heimatschutz“. Sie delegieren es an ihren Sachverständigen und der war für den Abbruch. Einfach genug: er sieht das Brückchen alle Tage und findet nichts Besonderes daran, man wird eben blind. Die neue Brücke steht neben der früheren, letztere hätte ebenso gut weiterbestehen können und man hätte zwei Brücken gehabt- die alte und die für schwere I asten. Aber man reißt ab. Ist das nicht ganz wie Schilda? Aber mit Hilfe eines Sachverständigen.

Das alles sind so die kleinen und unersetzlichen Werte, welche Maler, Photographen und auch der Film geradezu suchen. (letzte Aufnahme an den Fischerhäusern Siebeneichener Str.) Aber die verschwinden immer mehr und mehr. Dafür lässt die Wirtschaft von Vincenz Richter neue mittelalterliche Bauten erstehen: die bekannte falsche Romantik, der Kitsch und die Irreführung von Kritiklosen. Die Wirtschaft „Zur Beresina“ im Rauhental setzt die Tradition nach Kräften schön fort und das seit 1812! Aber die Konkurrenz versucht gerade diese Wirtschaft stillzulegen.
Der Löthainer Freihof, Schloßberg 2, ist völlig sinngemäß erneuert worden. Alles Überkommene blieb erhalten. Selbst der Pferdestall, der lange keine Pferde mehr hat. Das machte ein Meißner Mauermeister mit dem Blick des Großstädters für das Idyll. Mit Hilfe des Verkehrsamtes und einem Papierkrieg – Motto: Deutschland ist schöner geworden – gelang es die beiden Rohziegelschuppen vor dem Stadtturm Hintermauer – Nossener Straße (Pönitenzturm) zu beseitigen. Es zeigt sich aber: das Beseitigen von etwas Hässlichen ist in Meißen schwerer durchzusetzen als das von Urtümlichen, siehe Garsebacher Brücke. Aber noch steht vor dem Wehrturm ein unschöner Betonmast. Wo in Meißen irgendwas Charakteristisches steht, da ist bestimmt auch ein Betonmast dabei, wie dazu gehörig. Jegliche Photografieabsicht wird damit zunichte.

An der Mauer der Fürstenschule müsste doch eine Gedenktafel oder ein Fries mit dem Porträts der Schüler sein, welche als Männer berühmt wurden. Das ist in Jena und andernorts an vielen Häusern so, in denen Studenten wohnten. Ferner ein Relief der alten Schule. Der Text aber nun nicht lateinisch. Das gilt nur innerhalb der Mauer. Wenn Paracelsus und Thomasius deutsch schrieben, wird man das in Meißen auch können. Sicher werden Grimma und Schulpforta dann folgen. Die Zyklopenmauer um den Afrakirchhof: wieder einer der Schmerzen. Früher war sie aus Feldsteinen, so wie heute noch an der Fürstenschule. Aber was für Lebende gut ist, wird auch für Tote taugen. Also vor den Bruchstein Feldstein setzen. So, dass sich in den Ritzen Pflanzen ansiedeln, wie an der Mauer der Fürstenschule. Dann ist die Einheit sämtlicher Mauern der Freiheit wiederhergestellt. Die 700-jährige Eibe in der Superintendentur (Freiheit 9) sollte zugänglich gemacht werden, dazu den Blick auf die Stadt. Vielleicht könnte man auch die unterirdischen Gänge des Hauses erschließen. Es wäre eine Sensation für die Fremden und eine Einnahme für die Kirche. An den Brunnen der Afrapfarre gehört Holunder. Ich sagte es dort und es wurde anerkannt. Aber es ist bis heute noch nichts geschehen. Noch ist Ho1under am Brunnen des Jahnschen Freihof (Freiheit 6). Ohne diesen ist der Eindruck: Badewanne. Noch sachlicher als jetzt wäre eine alte Teertonne.

Die Stätten der fehlenden Häuser (Leinewebergasse, Freiheit, kleiner Hohlweg), wahrscheinlich in den Kriegen niedergebrannt, nicht wieder bebauen. Das sind für eine alte Stadt Ehrennarben. Auch der Platz um das „Hohe Gericht“ (Nossener Straße) nicht bebauen. Um den Hügel gehören die alten Gerichtsbäume, laut Grimm. Wie Eiche, Linde Esche, auch Eibe und Wachholder. Obstbäume, wie jetzt, sind zwar praktischer, entsprachen aber der Stätte nicht. Ebenso gut könnte man auf ihr Kartoffeln bauen. Dazu um alles eine undurchdringliche Hecke als „gärtnerische. Anlage“. An der Autostraße unterhalb der Burg sehen hohe Mietshäuser, welche den Blick auf die Burg völlig verdecken. Wenn die mal abgerissen werden, kommen neue niedrigere Bauten hin.

Von der Erfindung des Handwerksmeister Große, die eines Meissners und tatsächlich epochemachend (wohl um 1780): die erste Lampe der Erde, die Pumplampe, in der das Öl im Docht zum Glaszylinder nach oben stieg. Davon weiß man in Meißen nichts. Zu dieser Erfindung hat die Menschheit 300000 Jahre gebraucht und sie wurde in Meißen gemacht. Vorher die Schale, der Kienspan und die Kerze. Noch Goethe klagte. Den Beleg gab ich an die Stadt. Er findet sich im Postkartenkatalog der Firma Bösenberg & Co, Dresden-A 1, Serrestraße 5. Jede andere Stadt wäre froh, diese Erfindung in ihren Mauern gemacht zu sehen.

In Meißen ist auf der Lorenzgasse der „Meißner Hof“. Diese Bezeichnung ist völlig sinnwidrig. Der „Meissner Hof“ kann niemals in Meißen selber gewesen sein. Nur Auswärtige hatten ihre Höfe hier, z.B. der Jahnaische und der Löthainer Freihof. Die Meissner Hofhaltung aber war auf der Burg.

Der Schmerz ist der immer weiter fortschreitende Abbruch des Görisch, einer Schanze der Bronzezeit, gegenüber von Diesbar. Das passiert in unserer „verantwortungsbewussten“ Zeit. Was werden da mal später die Geschlechter sagen?

Wäre denn das Folgende nicht zu beachten? Es dient dem Umsatz und stärkt die Steuerkraft: die höchsten Hochwasser und den Eisgang für den Fremdenverkehr zu nutzen. Somit Bekanntgabe in Zeitungen und Bilder in Zeitschriften. Von den hochwassergefährdeten Elbstädten Sachsens liegen vier so tief, dass sich diese Erscheinung eindringlich und großartig darstellt: Schandau, Pirna, Wehlen und Meißen. Aber Meißen liegt am verkehrsgünstigsten. Auch das Schützenfest wäre noch anziehender zu gestalten, durch alte Bräuche u.a. Es gab schon sehr anziehende Bilder bei Aufmärschen. Eine weitere Einnähme kann ans zwei Sachen gestaltet werden, welche Meißen in ganz Mitteldeutschland allein hat: aus einem zusammengelegten Fischer- und Mostfest. Also «Steckerlfische» nach Münchener und Würzburger Art und Ausschank auf dem Markte. Dazu gehört ein Fischerumzug mit Prolog, der Dichter ist da! Elbgott und EIbnixen kommen auf dem Kahn Das schrieb ich dem Verkehrsamte, Eindruck machte es nicht. Aber den Fischern ist die Einnahme zu gönnen, weil durch den Damm unterhalb der Eisenbahnbrücke der Aalfang sehr gemindert wurde.

Heilig Kreuz liegt im Dornröschenschlaf, kaum kommen Fremde. Aber es liegt auch an der Autostraße und somit: Milchausschank und Liegewiese. Weil dort Gärtnerei ist, wird mancher Autofahrer seine Blumen für Dresden oder Leipzig dort kaufen, zumal Sonnabends oder Sonntags. Der Gedanke, den Rothschönberger Stollen für den Paddelboot- und Kahnverkehr zu erschließen, wie einen ähnlichen Stollen im Oberharz schon seit Jahrzehnten, scheitert vorläufig an der erhöhten Wasserführung des Stollens durch den wiederaufgenommenen Erzbau. Vielleicht aber später einmal. Voraussetzung ist eine genügende Wasserführung der Triebisch im Sommer, denn bis Meißen sollte die Fahrt gehen. Zu erwägen wäre noch die Erschließung Tälern der Umgebung Meißens für Wochenendhäuser. Tatsache ist: die Dresdner wollen sich zurückziehen und verlegen ihr Wochenende in die abgelegene, sandige und ebene Gegend der Elbe an der nordsächsischen Grenze. Dorthin, wo es weder Wasserleitung noch elektrisches Licht gibt, wo die alte Petroleumlampe wieder zu ihrem Rechte kommt. Auch die Lommatzscher Pflege sollte durch Fremdautobusse erschlossen werden, Thema der Rundfahrt: „Schlösser im Meissner Land, in der Lommatzscher Pflege“

Es wäre doch an der Zeit, es wäre sogar höchste Zeit, Meißen unter Schutz zu stellen. Wie Rothenburg, Dinkelsbühl, Iphofen, Wolfram von Eschenbach, Carcasonne in Frankreich. Dazu ein Berater aus Dresden. Wenn es doch in Meißen soweit käme:“ Gute Sitten gelten hier mehr als anderswo Gesetze“. Wenn der Meißner selbst auf das Schöne seiner Stadt achtet und er es auch hält, auch ohne Gesetz. Ich bin Optimist genug zu glauben, dass Vorträge und Hinweise in einer Zeitung doch Einiges wirken. Ein Meißner Sammler, Herr Otto Horn, (Weinhandlang, Elbstraße) hat über 200 Bilder der Stadt. Es wäre doch das Nächste an Hand dieser Bilder das wieder herzustellen, was nicht hoffnungslos verkitscht ist, was an Wenigen zuretten ist. Ein Coburg im Kleinen. An Manchem braucht nur der Stacheldraht und der Kitsch entfernt zu werden. Also: Meißen wieder schön machen – nach dam Kriege. So schön, wie es einmal als „die meistgemalte Stadt“ war. Das wäre sogar Anstandspflicht. Man liest jetzt soviel von „unseren Ahnen“ und es wäre Verpflichtung dieses Erbe zu erhalten, aber nicht zu verwahrlosen.